Fesurica lief vorne weg und Fennec hatte Mühe ihr zu folgen.
Der ganze Wald steckte voller Eindrücke, neuer Gerüche und unentdeckter Dinge. Es tat ihm fast leid nicht bei jedem Ding, jeder Pflanze, jeder Blume kurz stehen bleiben zu können, um es in Augenschein nehmen zu können.
Fesurica blieb abrupt stehen, Fennec hätte sie fast über den Haufen gerannt. Sie drehte sich mit einem großen Grinser zu ihm um, die riesige Polle immer noch fest umklammernd und meinte »Wir sind da.«
Fennec blickte sich um, konnte aber nichts erkennen was nach “zu Hause” aussah.
»Bevor wir rein gehen, sollte ich dir ein wenig von meiner Familie erzählen…«
Fesurica trat verlegen von einem Bein aufs andere.
»Wir sind eine typische Patchwork Großfamilie. Frag nicht wie das zustande gekommen ist. Das würde vorerst mal zu weit führen.«
Fesurica legte die Polle vorsichtig auf den Boden und ging zum nächsten Farn, zupfte einen langen Stängel herunter und band sich den um den Hals.
»Damit du mich da drin wiederfindest. Bleib bitte dicht bei mir. Unser Haus ist wirklich sehr groß und jeder Ausgang führt dich in einen anderen Wald und zum Teil in richtig gefährliche Ecken.«
Damit nahm sie die Polle wieder auf, ging zum nächsten Serverbaum und klappte ein paar Blätter beiseite. Zum Vorschein kam ein Eingang zwischen zwei Glasfaserwurzeln mit einem gepflasterten Weg, der in die Tiefe führte. Die Wände des Weges waren durchzogen von feinen Mikroglasfaserwurzeln in denen kleine Lichtblitze rhythmisch durchsausten. Kein Vergleich zu den ausgewachsenen, großen Glasfaserwurzeln die am Waldboden sich dahin schlängelten von Serverbaum zu Serverbaum.
Fennec wurde schon fast schwindlig von den ganzen Eindrücken eines Tages und der Tag schien noch nicht vorbei zu sein. Er war verwirrt, überfordert und langsam bekam er Hunger. Dennoch folgte er Fesurica in den Gang, denn die Neugier war größer. Außerdem strahlte Fesurica so viel Ruhe und Sicherheit aus, dass er sich bei ihr geborgen und gut aufgehoben fühlte. Seine Schritte wurden trotzdem langsamer und Fesurica merkte, dass er zurück viel.
»Was ist los mit dir?« Ihr Blick wirkte besorgt.
»Ich versteh das alles nicht…« Seine Stimme klang etwas zaghaft.
Fesurica blieb stehen und musterte ihn. »Sag mal, wie lange bist du in dem Wald schon unterwegs gewesen, bevor wir uns getroffen haben?«
»Ich weiß nicht. Ich bin aus der Höhle raus und da waren diese großen Browser und diese ganzen pulsierenden Blumen und diese Lichtblitze am Boden und kurz danach, … naja, da war dieser ohrenbetäubender Warnschrei, … und dann hast du, …«
Fennec konnte seine Gedanken nicht mehr sortieren. Die ganzen Reize, die Lichter, die Eindrücke. Er wusste nicht mehr wie er was einordnen sollte. Während er versuchte seine Erinnerungen zu beschreiben bemerkte Fesurica wie er in sich zusammensackte.
»Hat dir niemand irgendetwas erklärt? Warst du noch gar nicht bei Archimedes?« Fesurica riss die Augen auf.
»Bei bitte wem?« Fennec schaute sie fragend an.
»Jetzt wird mir einiges klar.« Fesurica wippte mit den Pfoten nach vorn und hinten. Sie fing an zu grinsen.
»Na da hast du jetzt an deinem ersten Tag schon eine Menge erlebt.« Sie lachte.
Fennec blickte sie verunsichert an. Er wusste nicht ob ihr lachen was Gutes verheißen sollte oder nicht.
»Weißt du was? Ich bring die Polle jetzt dorthin wo sie hingehört, dann gehen wir mal zu Archimedes, dann geb ich mein Gebiet wem anderen und zeig dir alles. Hunger wirst du wahrscheinlich auch langsam kriegen, oder?«
Fennec nickte verunsichert. Erst jetzt bemerkte er, dass eine gewisse Leichtigkeit sich in seiner Magengegend breit machte.
‘Eine andere Wahl hab ich wohl nicht und so schlecht klingt der Plan gar nicht’ dachte er bei sich und versuchte Fesurica anzulächeln.
»Gut. Na, dann komm. Es ist nicht mehr weit. Bald erhältst du Antworten.«
Damit drehte sich Fesurica wieder um und ging vor ihm her. Diesmal in einem gemütlichen Tempo. Fennec sah immer wieder Gänge abzweigen, die anscheinend in alle Richtungen gingen. Nach oben, unten, rechts, links, überall. Er selbst konnte nicht sagen ob ihr Weg nach oben oder unten führte. Er schlängelte sich dahin. Die physikalischen Kräfte schienen hier langsam, aber sicher ihre Wirkung zu verlieren. Der Gang wurde mit der Zeit breiter und so konnten sie bald nebeneinander gehen. Fesurica legte ihm ihre Pfote auf den Kopf. »Wir sind gleich da.« Sie merkte wohl das seine Beine schon etwas zittrig wahren.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten sie eine kleinere Höhle, die auf den ersten Blick sehr einladend wirkte. Fennec konnte sich ein herzhaftes Gähnen nicht mehr verkneifen. Fesurica legte die Polle behutsam an die Wand, ging an die andere Seite der Höhle und holte dort aus einer Einkerbung eine Decke. Ein paar Meter neben ihr flackerte an der Höhlenwand eine Kerze, darunter legte sie die Decke auf den Boden und blickte Fennec an.
»Du kannst dich hier hinlegen und dich ausruhen. Ich kümmer mich derweilen um die Polle, ein paar andere Dinge und bring dir was zum Essen. Du musst nicht mitkommen. Ruh dich ein wenig aus. Versprich mir aber, dass du hierbleibst. Es wird sonst schwierig dich in diesem Netzwerk wieder zu finden. OK?«
Fennec musste schon wieder gähnen bekam aber ein nicken hin und steuerte schon halb ferngesteuert die Decke an. Er drehte sich auf der Decke zweimal in die ein Richtung, zweimal in die andere Richtung um eine Mulde auszutreten bevor er sich einrollte. Die Verabschiedung von Fesurica nahm er nur noch aus der Ferne wahr.
Als Fennec das nächste Mal munter wurde, stand vor seiner Schnauze eine Schale mit Milch, die er genüsslich leerte, um danach gleich wieder einzuschlafen.