Es war einmal ein kleiner Browser. Das Licht der Welt erblickte er in einem kleinen Erdbau tief im Netzwerkjungel. Von Beginn an auf sich selbst gestellt und getrieben durch seine Neugier fing er an seine Umgebung zu erkunden. Unter dem dichten Nebel spürte er die dicken Glasfaserwurzeln der Serverbäume die sich am Waldboden dahin rankten. Die Datenübertragungssamen blitzten durch die Kabeln und erhellten kurz seine Umgebung in verschiedensten Farben, wenn sie an ihm vorbei rauschten. Die Serverbäume ragten wie mittelalterliche, bedrohliche Statuen vor ihm auf, zum Teil schon überzogen und überwuchert von giftigen Defacementmoos und Malewarepilzen. Andere Serverbäume glänzten in einem anziehenden, metallischen Look, doch auch sie waren vor dem Moos und den Pilzen nicht gefeit.
Die Sporen der Malewarepilze hatten eine gänzlich unangenehme Angewohnheit. Wenn der Pilz seine Sporen freisetzte, nutzen sie zur Verbreitung die Glasfaserwurzeln. Betroffene Datenübertragungssamen blitzten dann nicht klar und hell an den jungen Browser vorbei, sondern wirkten irgendwie ein wenig matt, träge und antriebslos. Die Wege dieser Datenblitze waren unterschiedlich. Manche flitzen direkt zum nächsten Serverbaum, manche blieben plötzlich mitten drinstehen und bildeten eine Blume direkt aus der Glasfaserwurzel. Diese Blume fing an zu pulsieren bis eines der vielen, sehr geschäftig hin und her flitzenden Bewohner kamen und sich an der Blume andockten. Bei kontakt leuchtete die Blume hell auf und erstrahlte in den faszinierendsten Farben. Der kleine Neuankömmling sah hier eine Ente, dort einen Kiwi und bei der dritten Blume löste sich gerade ein Phoenix und schwang sich davon.
Der Serverwald war teilweise hell erleuchtet von blinkenden und blitzenden Datensamen, die durch die Glasfaserwurzeln sausten sowie von pulsierenden und hell strahlenden Blumen. Es war eine einzige Farbenexplosion.
Blumen die aus sporeninfizierten Datenblitze heraus sprießten leuchteten jedoch bei weitem nicht so klar und hell und der kleine, unerfahrene und junge Browser bildete sich ein, das bei Kontakt mit den, ja, wie sollte er sie nennen,… Sie stöberten herum, grasten den Waldboden nach Blumen ab, also nannte er sie Browser, denn er wusste ja noch nicht, das er eigentlich auch einer war. Er glaubte zu sehen, dass manche diese Browser, die sich an infizierte Blumen andockten, einen Parasiten aufnahmen. Er war sich aber nicht sicher, als er plötzlich über sich einen Schatten dahingleiten sah. Er blickte auf und der Schrecken fuhr in durch Mark und Bein. Ein Adler steuerte im Sturzflug auf eine gerade erblühte sporeninfizierte Blume zu, kreiste über ihr und gab einen ohrenbetäubenden Lärm von sich. Alle Browser in der Umgebung suchten das Weite. Der kleine Neuling war jedoch neugierig geworden und schleichte sich, dicht am Boden haltend, in die Nähe der Blume. Kurz bevor er sie erreichte, wurde er am Schwanz gezogen. Als er sich erschrocken umblickte, sah er ein kleines Erdmännchen mit Entsetzen in den Augen, dass energisch den Kopf schüttelte.